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Noch mehr Toys Eines vorweg: Meine subjektive Meinung zu ziemlich vielen Dingen ist Alles was Spaß macht, ist gut. ;-) Ich bin keine Toy-(S)Expertin, sondern beginne langsam, meine Lust um ein paar Punkte zu erweitern. So weit, offen darüber zu sprechen, bin ich (noch) nicht. Wenn ich in Berlin leben würde, wäre das vielleicht anders, aber die Stadt, in der ich lebe, hat eine derart überschaubare Lesbenszene, dass mir durchaus schon einmal sexuelle Gepflogenheiten von Frauen zugetragen wurden, über die ich nun wirklich nichts wissen wollte. Hier eine Diskussion über Toys anzetteln - obwohl ich schon weiß, dass es viele hinter verschlossenen Türen sehr wohl tun...na, vielen Dank, das überlass ich Susie Sexpert und Co. Irgendwie hatte ich immer mit den anderen darüber abgelästert. Aus heutiger Sicht würde ich es darauf zurückführen, dass so ein männliches Geschlechtsteil im Bett ja schon immer überbewertet wurde. Da sind es nämlich gerade die Toy-Gegnerinnen, die so schwanzfixiert sind, dass ein paar Zentimeter zu einen Riesenthema aufgebauscht werden...Denn wenn frau mal genau darüber nachdenkt, hängt es doch nicht von den leblosen paar Zentimetern aus Silikon (oder Latex oder whatever) ab, ob ich guten Sex habe oder nicht. Es ist ein Spielzeug, wie der Name schon sagt. Aber zurück zu denen, die ablästern und ihren Argumenten. Zum einen sagen viele, es sei eklig, ein Fremdkörper. Manche haben vielleicht sogar ganz berechtigt Angst vor einer allergischen Reaktion, denn gerade über Silikon und auch Latex hört frau ja so allerlei Horrorgeschichten. Und es hat wohl auch viel mit Berührungsängsten zu tun. Andererseits glaube ich, dass keine unbedingt etwas ausprobieren muss, was sie abstößt. Viele haben ihre Gründe, weshalb sie z.B. keine Penetration mögen. Das respektiere ich, erwarte jedoch auch, respektiert zu werden. Denn es ist wahrlich schwierig genug. Wie ein zweites Coming out. Vielleicht gilt das nur für mich, womöglich tun sich andere leichter. Als Frau habe ich nicht gelernt, meine sexuellen Wünsche zu kennen oder gar einzufordern. Mit einem Mann habe ich nie geschlafen, doch mein erstes sexuelles Erlebnis mit einer Frau war bestimmt nicht minder konfus als andere erste Male (das ist nämlich auch so ein Tabu: frau spricht immer nur darüber, dass zwischen zwei Frauen alles so wunderbar ist und dass wir unsere geheimsten Wünsche erraten. Ein Mythos, den sogar die Lesbenliteratur zur Genüge bedient.). Wir hatten nicht die geringste Ahnung, ob wir denn nun miteinander geschlafen hatten. Aber oh Wunder: Es wurde besser, mit der Zeit und später dann auch mit anderen Partnerinnen, weil ich dann doch mal den Mund aufgekriegt habe. Meistens. Der Wunsch, es mal mit Toys auszuprobieren, war nicht von Anfang an da. So vor 3 Jahren habe ich einen Katalog eines Frauenversandhauses in die Hände bekommen. Irgendwie hat mich das erregt. Meiner damaligen Freundin gegenüber hätte ich das nie erwähnt. Als sie dann ein paar Wochen ohne mich weggefahren ist, habe ich mir heimlich einen Vibrator bei so einem Versandhaus bestellt. Allein die Vorfreude! Andererseits aber habe ich mich geschämt. Für mein Lesbischsein hatte ich mich nie geschämt, aber hierfür, für meine Lust, schämte ich mich. Das war schon paradox. Später habe ich dann festgestellt (apropos Latexallergie), dass meine Möse dieses Modell nicht so gut vertrug. Dazu stank das Teil derart, dass ich den Eindruck hatte, sämtliche Nachbarn müssten den Inhalt des Päckchens am Geruch erkannt haben...Na ja, im Eifer des Gefechts hatte ich das billigste Modell gewählt - würde ich keiner empfehlen, es macht sich nicht bezahlt. Mein Tipp: Silikon ist einfach angenehmer, denn es riecht nach nix und frau hat auch nicht das Gefühl, dass das Teil beim ersten Gebrauch aufweicht oder gar abfärbt (besser noch, frau zieht ein Kondom drüber). Unangenehm, das. Aber beim nächsten Mal war ich klüger. Inzwischen wieder Single und sowieso nicht mehr gewillt, mich meiner Lust zu schämen, machte ich im Selbstversuch noch ein paar weitere Experimente mit diesen lustigen Spielzeugen. Und wie immer gilt: Übung macht die Meisterin... Mit meiner jetztigen Freundin
kann ich über Toys reden, sie weiß, dass ich gelegentlich welche benutze, um
mich selbst zu befriedigen. Ich kann mir vorstellen, dass wir irgendwann
gemeinsam damit spielen. Ich spiele mit den Gedanken. Ich spiele mit Worten,
habe Comics für sie gemalt, die diesen Wunsch offenbaren. Manu hat in ihrem Toy-Artikel Pro- und Contra-Argumente zusammengetragen. Das ist soweit ziemlich komplett, allerdings gibts eben auch unsere ganz ureigenen, verinnerlichten (Vor-)Urteile über das, was eine Lesbe zu sein hat. Bin ich denn wirklich noch lesbisch, wenn mich der Gedanke erregt, dass die Frau mit dem Dildo der Postbote/ der Mann von nebenan/ eine Transe ist??? (Schließlich hat mann uns oft genug erzählt, dass ein anständiger Fick uns schon wieder auf den richtigen Weg bringt - wollen wir das gar selbst?!?). Frau sieht also, dass Dildos und Co. durchaus auch in der feministischen Diskussion etwas zu suchen haben. Es hat etwas mit Selbstbestimmung zu tun (um mit Pat Califia zu sprechen: Es gibt keinen Grund, weshalb Frauen ihre Genitalien nicht innen wie außen benutzen sollten. Scheiden gehören nicht Männern - sie gehören Frauen!(in: Sapphistrie*, S.122)). Und mit Toleranz. Und nicht zuletzt natürlich mit Lust, die ich mir von niemandem vorschreiben lasse. Weder von Frauen noch von Männern. In der Hoffnung, eine rege Diskussion anzuzetteln, ElsaG.
* Califias Klassikerin wurde unter dem Titel Wie Frauen es tun bei Orlanda neu aufgelegt. Ein sehr empfehlenswertes Buch über lesbische Sexualität! (unter Pseudonym geschrieben) |
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