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Claudia
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Unsere Schreiberin aus der Coming Out Ecke bat uns Mitwirkende im Team, mal über unser Coming Out etwas zu schreiben. Die Idee fand ich ganz gut, da mein eigenes Coming Out, wenn ich es überhaupt so nennen kann, schon sehr lange zurück liegt.....2 Jahre?......5 Jahre?....10 Jahre?...., nein schon 14 Jahre. Das soll aber jetzt nicht heißen, dass ich schon ein Gruftie bin.

Nein im Gegenteil ich bin stolz darauf, schon so früh sagen zu dürfen „Ich liebe Frauen“.

Ich merkte schon sehr früh, dass ich mich zu Frauen hingezogen fühle. Es fing eigentlich schon an, als ich im smarten Alter von 10 Jahren war. Ich wurde damals von meinen Eltern für 6 Wochen in Kur geschickt, war Ihnen wohl zu dünn mit meinen grade mal 25Kilo.

Und wie das Schicksal (so bezeichne ich das ganze mal) wollte, bekam ich ein Zimmer, wo nur ich und noch ein Mädchen hausten. Ich fand schnell heraus, dass dieses Mädchen dort eine Ausbildung machte.

Es war dort üblich um 20Uhr die Nachtruhe einzuläuten. Meine Zimmergenossin kam dann auch immer und las mir eine Geschichte vor (auch eine Art von Bildung?).

Ich bemerkte erst ein paar Tage später, dass dieses Mädchen mich wohl nett gefunden haben muss. Sie beobachtete mich ständig und lag jeden Abend bei mir im Bett und streichelte mich zärtlich.

Eines Tages fragte sie mich, ob ich schon mal geküsst hätte, und da ich ja noch unerfahren auf diesem Gebiet war, sagte ich nein. Ich weiß nicht und ich habe es nie rausgefunden, was Sie dazu veranlasste, aber Sie küsste mich zärtlich auf den Mund. Sie erklärte und zeigte mir dann genau, wie man einen Zungenkuss macht. So lernte ich das Küssen. Aber dass ich das von einer Frau gelernt habe, war mir eigentlich da noch sehr egal. Ich war auf jeden Fall stolz darauf, dass ich jetzt endlich küssen konnte. Die 6 Wochen vergingen wie im Fluge, als ich wieder zu Hause ankam.

Das war ja wohl jetzt nicht mein Coming Out werden viele jetzt denken, nein das war es nicht, aber es war meine erste Erfahrung mit einer Frau.

Dann kam meine Einschulung und es dauerte nicht lange, da hatte ich so ein komisches Kribbeln im Bauch gespürt, als ich dieser Frau in meiner Schule zum ersten Mal begegnet bin. Sie hieß Diana, was ich mit Hängen und Würgen rausfand. War ich etwa verliebt?.

Das musste so sein, denn ich konnte meine Blicke nicht von ihr lassen. Ich träumte sogar nachts von ihr.

Was war das für ein Gefühl, was mich verrückt machte, wo ich aber nicht drüber reden konnte?

Liebe? Begehren? Neugierde? Eifersucht? Reiz?. Ich wusste es nicht und das machte mir sehr große Kopfschmerzen. Ich machte den Versuch, sie als Freundin zu gewinnen, was auch wieder mit Hindernissen verbunden war, da sie meinte sie wäre kein Mutterersatz. Aber ich kämpfte wenigstens für eine Freundschaft, die sich auch entwickelte. Das ging 4 Jahre lang, als Sie dann von der Schule ging und ich den Kontakt zu ihr etwas verloren habe. In dieser Zeit habe ich ihr aber gesagt, dass ich mich in sie verguckt habe und sie liebte. Es war für mich nicht einfach, ihr das zu sagen, aber ich war froh, als es endlich ausgesprochen war.

Ich dachte dann mal erst nach und musste mich mit dieser Situation erst vertraut machen.

Ich stellte mir Fragen über Fragen und bekam aber keine Antworten darauf, weil ich ja mit dieser Situation immer noch alleine da stand. War ich etwa „lesbisch“?. Was ist das und wird man davon krank oder bin ich krank? Diese Fragen beschäftigten mich sehr lange, bis ich ca. 2 Jahre später, da ging ich mit einem Bekannten aus, festgestellt habe, dass ich wohl doch so sein musste. Es war eine Schwulenkneipe, wo auch Frauen waren. Ich verguckte mich noch am selben Abend in eine nette doch auch unscheinbare Frau und sprach sie an. Und nun wusste ich es endlich, ich war „lesbisch“. Nach einer Woche nahm ich meine Mutter mal mit in diese Kneipe und beichtete ihr endlich mein Coming Out, dass ich Frauen liebte. Sie war zwar erschrocken, aber sie versuchte es auch zu tolerieren, was mir erst recht das Selbstbewusstsein gab. Heute bin ich stolz darüber, solche Eltern zu haben, die mich so akzeptieren wie ich bin, auch wenn sie sich immer noch Enkelkinder wünschen. Und ich bin stolz, eine LESBE zu sein.

 

 Claudia  

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Stand: 14. April 2000