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 Pressemitteilung vom LSVD vom 24. März 2000

 

LSVD begrüßt Bundestagsinitiativen zur Rehabilitierung homosexueller NS-Opfer

Zügige Ergänzung des Gesetzes zur Aufhebung von

NS-Unrechtsurteilen gefordert

 

Zur heutigen Bundestagsdebatte über die Rehabilitierung homosexueller Opfer des Nationalsozialismus erklärt Manfred Bruns, Sprecher des Lesben- und Schwulenverbandes (LSVD):

 

Endlich stellt sich der Deutsche Bundestag seiner Verantwortung. Der Lesben- und Schwulenverband (LSVD) begrüßt die Initiativen im Bundestag zur Rehabilitierung der homosexuellen Opfer der NS-Justiz.

 

Ebenso erfreulich ist, dass sich eine breite Mehrheit für eine Erklärung abzeichnet, in der sich der Bundestag für die Fortgeltung des Homosexuellen-Paragraphen 175 in der NS-Fassung bis in das Jahr 1969 entschuldigt.

 

Eine solche Entschuldigung wäre für die Schwulen und Lesben ein historisches Ereignis. Endlich würde sich der Gesetzgeber zu seiner Schuld bekennen, dass in der Bundesrepublik zwanzig Jahre lang Homosexuelle mit einem NS-Gesetz verfolgt, eingesperrt und um ihre Lebensperspektiven betrogen wurden.

 

Es ist höchste Zeit, dass eine solche Erklärung erfolgt. Jahrzehntelang hat sich der Bundestag einer solchen Versöhnungsgeste gegenüber den homosexuellen Bürgern verweigert. Erst nach dem Regierungswechsel scheint nun die Mehrheit für eine Entschuldigung gesichert.

 

Eine vollgültige Rehabilitierung schwuler NS-Opfer ist aber erst erreicht, wenn die Urteile der NS-Justiz nach § 175 pauschal aufgehoben werden. Wir fordern Rot-Grün auf, hier schnell und konsequent zu handeln. Die bisherige Praxis, dass homosexuelle Opfer der NS-Justiz eine Aufhebung im Wege der Einzelfallprüfung bei der Staatsanwaltschaft betreiben müssen, ist unwürdig. Wir fordern die Gleichbehandlung mit den anderen Opfern von NS-Unrecht, bei denen die Unrechtsurteile pauschal aufgehoben wurden. Das NS-Aufhebungsgesetz muss entsprechend ergänzt werden.

 

Ebenso muss nun zügig über noch offene Entschädigungsfragen beraten werden. Auch hier geht der Entwurf der Regierungsfraktionen noch nicht weit genug.

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Stand: 14. April 2000