Nach oben Kontakt

Meine lesb. Frau
Coming Out Meine lesb. Frau Trennungen Community Transsexualität Lesben und Kinder Gegen Gewalt Missbrauch Kummer Deine Erfahrungen Eure Erfahrungen zur neuen Home der Bunten Lesben

 

Ein Artikel für Männer und Frauen

 

Oder anders ausgedrückt: Mein Leben mit einer Lesbe

 

Nun, dies ist kein Artikel für Leute (egal welchen Geschlechtes) mit vorgefertigten Meinungen. Denen sage ich nur: Haltet mich für was Ihr wollt – und spart Euch das weiterlesen.

 

Wie der Artikel schon sagt, ist in diesem Fall der Autor mal ein Mann. Für manche von Euch Frauen mag ich das „Enfant terrible“ der menschlichen Beziehung sein, das notwendige Übel für den Fortbestand Eurer Art oder einfach nur ein Mensch mit anderen Ansichten, Meinungen und anderen körperlichen Gefühlen und Sehnsüchten. Wenn zwei dasselbe tun, ist es dennoch nicht das gleiche. So kann man es salopp auch für die Geschlechter sehen.

 

Ich bin mit einer Lesbe verheiratet, die zudem hier noch in dieser Zeitung als Autorin und mehr sehr viel Zeit und Energie einfließen lässt. Wer nun der Auffassung ist, dass bei uns aufgrund dieser Konstellation jeden Tag der Haussegen schief hängt, der kennt uns nicht. Vorurteile sind das Aus einer jeden Beziehung, egal unter welchen Voraussetzungen.

 

Wir leben bereits seit nahezu 10 Jahren zusammen, haben zwei Kinder und eine gegenseitige Achtung voreinander, sowie ein Verständnis zueinander, von dem sich manche Paare, egal ob homo oder hetero, sich wünschten dies zu haben. Mit einer Lesbe zusammen zu leben, bedeutet als Einschneidung eigentlich nur – no sex. Dafür allerdings die Freigabe des Partners, in dem Fall moi, sich das Fehlende woanders, und zwar ohne Groll holen zu können. Im Klartext: ich habe sexuelle Narrenfreiheit (allerdings nur safer – auch zum eigenen Schutz). Nach einer neuen Partnerin dürstet es mich nicht, denn eine Partnerin habe ich nach wie vor.

 

Das ganze begann so ca. vor 6-7 Jahren, in dem mir meine Frau mitteilte mal mit einer gleichgeschlechtlichen Partnerin, ohne Mann schlafen zu wollen. Da dieses auch ungefähr mit dem Zeitpunkt zusammenfiel, unsere Ehe insgesamt etwas freier zu gestalten, ergaben sich hier für mich als Partner, keine Nachteile, sondern eher die „große Freiheit“ mit „Partnerlichem Segen“. Während meine Frau nun auf die Suche nach einer weiblichen Partnerin ging, hatte ich mit Partner nix im Sinn. Wichtig war seit dieser Zeit allerdings die Ehrlichkeit zum anderen. Keine Lügen. Daher blieb der andere auch stets der Freund und auch mal die Ansprechperson im Falle von seelischen Problemen oder Partnerschaftskonflikten. Ich habe mich daher nicht ausgestoßen aus unserer Ehe, sondern stets noch als Teil davon gefühlt, auch wenn meine Frau in einer Beziehung steckte.

 

Nun verlief die Veränderung meiner Frau in sexueller Hinsicht langsam über das Bi-Verlangen, (ich war also nicht ganz abgemeldet) bis hin zur Bekennung als Lesbe (absoluter sexueller Notstand meinerseits) nicht binnen weniger Wochen, sondern über die Jahre hinweg. Dennoch seit ca. 4 Jahren geht „Papas Sohn“ anderweitig naschen, da es zuhause nix mehr zu naschen gibt. Die Verwandlung war vollendet.

 

Neben der Reduzierung der Ehe zur Freundschaft, nicht nur wegen der Kinder, ergaben sich auch durch das Betätigungsfeld meiner Frau neue Kontakte, alle weiblich, alle lesbisch, alles höchst interessant. Egal ob Kampf- ,Krampf- oder nur Lesbe. Ich habe im Umgang keine Vorurteile, was ich eigentlich ganz gut rüberbringen kann. Daher hat sich mein Freundeskreis doch hierdurch sehr erweitert (Nix nur Nachteil, da kein Sex). Mittlerweile kenne ich sogar noch eine transsexuelle Lesbe, wovon ich vor einigen Jahren noch nicht mal wusste, dass es so was überhaupt gibt. Ich habe gelernt, die Leute erst mal kennen zulernen, bevor ich mir eine Meinung bilde. Aber Ehrlich: Manchmal ist das schwer. Vor wenigen Monaten hatte meine Frau Geburtstag und viele (vornehmlich weibliche) Gäste waren mir bekannt. Jetzt kamen aber auch Frauen aus ihrem Bekanntenkreis, von denen ich wohl mal gehört hatte, aber persönlich kannte ich sie noch nicht... Wenn dann z.B. eine Frau mittleren Alters die Treppe hoch kommt, nahezu keine Haare auf dem Kopf, bis auf einen Pferdeschwanz (Puschel), dazu Springerstiefel und ein recht auffälligen Gesichtsausdruck, so konnte ich mich plötzlich aufkeimender Fluchtgedanken nicht erwehren. Der Abend lief in diesem Fall von beiden Seiten aus sehr zurückhaltend. Und im nachhinein, ärger ich mich sogar deswegen. Beim nächsten mal, werde ich versuchen sie kennen zu lernen. Zu erfahren, warum sie sich so darstellt. Auf keinen Fall unterstelle ich ihr von vornherein mangelnde Intelligenz, null Bock oder einfaches Protestgehabe.

 

Leute kennen zu lernen kann sehr spannend sein, also ist auch aus diesem Grund meine Partnerschaft mit meiner Frau nicht langweilig. Für nahezu alles gilt: Wo ein Wille, da ein Weg.

 

Ralf (Mann von Manu)

 

 

Zugriffszähler

 

 

Coming Out ] [ Meine lesb. Frau ] Trennungen ] Community ] Transsexualität ] Lesben und Kinder ] Gegen Gewalt ] Missbrauch ] Kummer ] Deine Erfahrungen ] Eure Erfahrungen ]

Senden Sie E-Mail mit Fragen oder Kommentaren zu dieser Website an: webmaster@blesz.de 
Copyright © 1999 Bunte Lesben e.V.
Stand: 16. March 2000