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Es ist jetzt vielleicht 10 Tage her, als ich mit Manuela telefoniert habe und sie mich bat, über mein Coming Out zu schreiben und nun sitze ich hier und lasse meine Vergangenheit an mir vorüber ziehen. Es sind vielleicht einige dabei, die meine Geschichte über Missbrauch gelesen haben und sicher ist das, was mir passiert ist ein Aspekt davon, dass ich mit Frauen zusammenlebe, aber nicht nur, denn wenn alle Frauen die missbraucht worden sind, lesbisch geworden wären, wären wir heute in der Überzahl. Also drehen wir die Zeit zurück, bis sagen wir einmal in die 6. Klasse, wo ich der ersten Frau begegnet bin, in die ich mich, so wie ich heute weiß, verliebt hatte. Diese Frau war meine Englischlehrerin und wenn ich heute so darüber nachdenke, was ich alles angestellt habe, um sie "zufällig" zu treffen, muss ich noch irgendwie vor mich hin lächeln. Doch es war nie ein Gedanke dabei, in dem ich mir vorstellte sie zu küssen oder sie zu umarmen. Leider hatte ich durch meinen Vater, im Bezug auf Sexualität, die schlechtesten Erfahrungen gemacht, die man sich vorstellen kann und ich hatte keinen Gedanken daran verschwendet, dass es mit Frauen anders sein könnte. Doch war es so etwas wie meine erste Liebe, sie überdauerte meine ganze Schulzeit und auch später, als ich, lange nachdem ich aus der Schule war und schon meine erste Freundin hatte, sie noch einmal besuchte, war dieses Gefühl immer noch da. Diese Frau hat mir ein Gefühl von Nähe und Geborgenheit gegeben, obwohl nie mehr als ein Händeschütteln zwischen uns war, das ich nie bei einem Mann gefühlt habe. Leider dauerte es noch ganze 6 Jahre, bis ich dann zum ersten Mal von einer Frau geküsst wurde, es war ein Kuss, der mein Leben verändert hatte und mir zum ersten Mal gezeigt hatte, was ich immer war, was ich bin und immer sein werde, eine Lesbe. Und ich war stolz darauf, genauso wie ich es heute noch bin. Am liebsten hätte ich mir ein Schild um den Hals gehängt, nur damit es jeder weiß. Mit meiner Familie hat es nie Probleme gegeben, was bestimmt auch an der Tatsache lag, das wir aufgrund der Vergangenheit fast keinen Kontakt mehr hatten und selbst als ich es dann, so mit 23, meiner Mutter erzählt hatte, war es einfach so wie es ist, ohne Kommentar oder Vorwürfe. Wer, wie schon oben erwähnt, meine Geschichte kennt (ihr könnt sie auf der Missbrauchseite nachlesen) weiß, dass ich auch keine Freunde hatte, auf die ich in irgendeiner Form Rücksicht nehmen musste und so wurde aus meinem Coming Out einfach das Leben, das ich mir immer gewünscht hatte, das ich nie gekannt hatte und mir bis dahin nicht vorstellen konnte, dass es so etwas überhaupt gibt. Heute bin ich 32 und weiß jetzt seit 14 Jahren, dass ich lesbisch bin, habe in dieser Zeit ebenso gute wie schlechte Erfahrungen gemacht und wenn ich auch erst vor kurzem einer Frau begegnet bin, die mir gezeigt hat, was eine Frau fühlen kann, wenn da einfach mehr ist, als etwas wofür es Wort gibt, dann bereue ich keinen Tag, denn ich war immer ich selbst und das mit ganzem Herzen. Sandra
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