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Im Rausch der Einsamkeit Es ist Samstag Nacht, hör den Ruf der Szene und
folge ihm! Wie im Trance stehe ich vor dem Spiegel und schminke mich, will gut
aussehen, eine innere Erregung breitet sich aus und dann endlich bin ich mit mir
zufrieden, ein letzter prüfender Blick in den Spiegel sagt mir, so ist es gut.
Nehme den Kampf mit der ewigen Parkplatzsuche auf und weiß doch, dass ich ihn
verlieren werde. Also, dann gehe ich noch ein gutes Stück, sehe von weitem das
Licht des Zieles meiner Hoffnung, auf der Straße höre ich schon die Musik und
gedämpftes Stimmengewirr, dann trete ich ein. Fühle mich auf dem Weg zur Theke
beobachtet, aber nicht beachtet, Blicke folgen mir, aber sehen durch mich
hindurch. Ein freundliches Hallo zu der Wirtin, sie begrüßt mich, als hätte
sie mich wirklich vermisst. Was ich trinken möchte? Ein kurzer Blick zur Uhr
sagt mir, es ist noch zu früh für ein Glas Wein, aber ich bestelle trotzdem
eines. Sie sind alle wieder da, ab und an ein kurzer Gruß und ein böser Blick,
von manch einer, die Angst hat, dass ich ihre Freundin anmachen könnte. Sehe
Frauen in kleinen Gruppen stehen und reden, frage mich, warum ich nicht dazu gehöre.
Jetzt nur nicht ehrlich zu mir sein und mir eingestehen, dass ich gar nicht dazu
gehören will. Weiß nicht, wie oft die Tür schon aufgegangen ist und wieviel
Frauen mittlerweile schon hier sind. Führe belanglose Gespräche mit Frauen,
die mir nichts bedeuten und denen ich nichts bedeute. Mir wird ein Glas Wein
ausgegeben, setze ein strahlendes Lächeln auf und bedanke mich, erschreckend
wie oberflächlich ich schon geworden bin. Ein paar Plätze weiter sitzt eine,
die sich letzten Samstag vor Liebeskummer umbringen wollte, mit einer neuen Frau
im Arm. Würde jetzt gerne mit einen meiner schwulen Freunde reden, aber leider
dürfen sie hier nicht rein. Am Tisch unten wird es laut, sehe ein Glas fliegen
und höre das Splittern von Glas, Worte die ich nicht wiederholen möchte,
erreichen mich, aber berühren mich nicht, habe solche Szenen schon zu oft
gesehen. Die Wirtin kommt und es ist schnell Ruhe, aber eine Geschichte bleibt
und sie wird noch oft erzählt werden. Es ist fast Mitternacht, der Raum ist
voll, kenne viele, aber was bedeutet hier schon kennen, man weiß den Namen und
die Geschichten, die erzählt werden. Möchte nicht wissen, was es für
Geschichten über mich sind. Seit zwei Stunden flirtet eine mit mir von der ich
weiß, dass sie es nur tut, weil ich Auto, Motorrad und eine Wohnung habe.
Manchmal denke ich mir, dass mich nur mein Job interessant macht, aber nicht
das, was ich bin oder wer ich bin. Es gab mal eine Zeit, da hatte ich geglaubt
oder gehofft, dass es unter Frauen anders sein würde, nicht dieses ewige
materielle Denken, diese Rollenspiele mit männlichem und weiblichem Part,
dieses in Schubladen stecken, aber leider ist es hier genauso und wenn es
wirklich mal anders wäre, kann man es nicht mehr glauben. Es ist jetzt fast 1.00 Uhr, werde dann nach Hause gehen, mich abschminken, die ursprüngliche innere Erregung ist vorbei, aber nächsten Samstag werde ich sie wieder haben. Sandra
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