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Hannelore Vonier, engagierte Feministin und Autorin: Ein Interview
Vita: geboren: 1951, Sternzeichen Waage
Studium: 3 Semester klassische BWL/Kunsterziehung/Deutsch/Psychologie
Lehre: Floristik
Arbeit: Deutschlehrerin/selbständige Floristin mit 2 Blumengeschäften in München/Freie Malerin, mehrjährige Verkaufsausstellung in München/Werbeagentur
Familienstand: heteroverheiratet, zwei erwachsene Stiefkinder
Ausbildung: Fernstudium soziale BWL/Image-Consulting/Dienstleistungs-Marketing/Arbeit als Consultant für selbständige Frauen und Freiberuflerinnen/z.Z. Schreiberin und Web-Designerin
Homepage: www.hannelore.de "
Wenn Du einmal die Augen aufmachst, kannst
Du nicht mehr zurück" Im Gespräch mit Hannelore Vonier BlesZ: Frau Vonier, würden Sie sich selbst als "Radikalfeministin" bezeichnen? HV: Wenn Feminismus bedeutet, sich gegen männliche Dominanz in der Gesellschaft aufzulehnen, dann bin ich eine Feministin. Radikal bin ich in vielerlei Hinsicht, denn ich halte mich nicht mit Symptomen auf, sondern suche die Ursachen, die "Wurzel" (radix=Wurzel=radikal) und mache sie mir (und manchmal anderen) bewusst. Dann verschwinden die Symptome von alleine. Z.B. bei Krankheiten funktioniert das sehr gut. BlesZ: Gab es in Ihrem Leben eine Art "Schlüsselerlebnis", welches Sie in die feministische Richtung zog? HV: Ja. Als in einer Therapie, die ganz andere Ziele hatte, aufkam, dass mich mein Vater jahrelang sexuell geschändet hat. Ich hatte über Jahrzehnte keinerlei Erinnerung daran - entsprechend tief war die Traumatisierung. Einmal damit konfrontiert, blieb mir nichts anderes übrig, als mich mit dieser Problematik auseinanderzusetzen, wenn ich nicht weiter Opfer sein wollte. Im Austausch mit anderen wurde mir mehr und mehr bewusst, dass in dieser Gesellschaft Einiges nicht in Ordnung ist. Mein Mann und ich haben damals eine harte Zeit durchgemacht und fanden uns danach in einer starken Opposition zur gesellschaftlichen Norm wieder. Wenn du einmal die Augen aufmachst, kannst du nicht mehr zurück. BlesZ: Zur
Zeit bewegt die homosexuelle Szene die Diskussion über gleichgeschlechtliche
Partnerschaften. Einige Homosexuelle Vereinigungen sprechen davon, dass man sich
dadurch heterosexuellen Gesetzmäßigkeiten unterordnen und patriarchale
Strukturen innerhalb gleichgeschlechtlicher Lebensgemeinschaften implementieren
würde. HV:
Die heterosexuelle Ehe ist eine rein patriarchale Erfindung, die mit natürlichem
Verhalten nichts zu tun hat (entsprechende Nachweise in der Biologie und
Psychologie). Die Mutter ist ja nicht nur für einen Jungen die erste Geliebte,
sondern auch für das Mädchen. Warum sollte es also nur einem männlichen Wesen
erlaubt sein, sein Sexualverhalten auf Frauen zu richten? Heterosexualität ist
die natürliche Bedingung für Reproduktionsverhalten, aber nicht für unser
Sexualverhalten allgemein. Studien haben ergeben, dass zwischen weiblichen Bedürfnissen
und männlichem Sexualverhalten häufig eine große Kluft besteht. Männer sind
anscheinend nur selten in der Lage, der Komplexität weiblicher Sexualität
gerecht zu werden. Eine Gleichstellung und/oder Solidarisierung mit homosexuellen Männern ist daher unüberlegt, weil Frau UND Mann primär mutter- bzw. frauenorientiert sind, das bedeutet für den Mann eine primäre Heterosexualität, für die Frau aber eine primäre Homosexualität. Das sind andere Voraussetzungen, die eine andere Problematik nach sich ziehen. Die patriarchatstypische Frauenfeindlichkeit bei homosexuellen Männern wird nicht unbedingt aus den gleichen Quellen gespeist wie die ebenso anzutreffende Männerfeindlichkeit lesbischer Frauen. BlesZ: Wenn Sie drei Dinge innerhalb der Gesellschaft verändern könnten, welche wären das? HV:
1. Abschaffung der institutionalisierten Religionsgemeinschaften, die
richten den
2. Verteilung aller Ressourcen in Frauenhand, selbst die patriarchalsten
Frauen 3. Abschaffung aller Erzwingungsstäbe wie Polizei, Militär, Justiz usw. BlesZ: Eine hohe Anzahl lesbischer Frauen sind gleichzeitig auch Feministinnen. Wo sehen Sie den Zusammenhang zwischen "Feminismus" und "Lesbentum"? HV: Beide lehnen sich gegen männliche Dominanz auf. Die persönlichen Leidensgeschichten können individuell sehr von einander abweichen, aber das Ziel, männliche Herrschaft abzuschaffen oder sich ihr zu entziehen ist das gleiche. BlesZ: Welche Rolle sollte der Mann in dieser Gesellschaft innehaben, um ein konfliktfreies Miteinander zwischen den Geschlechtern zu ermöglichen? HV: Die Rollen können je nach Persönlichkeit sehr vielfältig sein vom Lehrer bis zum Künstler, vom Bruder bis zum Wahrsager. Außerdem können von einer Person mehrere Rollen gleichzeitig eingenommen werden. Die Rolle ist nicht das Kriterium, sondern der Bewusstseinsstand. Je höher der Bewusstseinsstand, desto größer ist die Fähigkeit zur Einsicht. Im Patriarchat leben die meisten Menschen sehr unbewusst: auf einem primitiven Level. Viele Männer, weil sie sich nicht entwickeln müssen, viele Frauen, weil sie sich nicht entwickeln dürfen. Die nehmen gar nicht wahr, dass sie selbst leiden und haben auch kein Mitgefühl für andere. BlesZ: Gibt es für Sie einen Unterschied zwischen "männerfreien Zonen" und "patriachatsfreien Zonen" ? HV: Eine männerfreie Zone ist in jedem Fall patriarchatsfrei. Eine patriarchatsfreie Zone ist nicht unbedingt männerfrei. Männer gehören zu dem Geschlecht, das in einer männerfreien Zone ausgegrenzt wird. Patriarchat ist eine Ideologie, die von Frauen und Männern in einer patriarchatsfreien Zone nicht geschätzt wird. BlesZ: Das bedeutet also, dass Ihrer Meinung nach patriachales Gedankengut nur in Männerköpfen existiert? Die Pschotherapeutin Sidra Stone schreibt vom "inneren Patriachen", von dem sich Frauen befreien sollen. Ist das nicht ein Widerspruch? HV:
Nein, ein Widerspruch ist das nicht. Der Job einer Psychotherapeutin ist,
den Leuten die Dinge ins Bewusstsein zu rufen, bzw. zu veranlassen, dass sich
Frauen und Männer ihre eigenen Prägungen bewusst machen. Personen beiderlei
Geschlechts sind patriarchal sozialisiert, ohne dass es ihnen klar ist. Sprichst
du es an, können sie darüber nachdenken. BlesZ: Haben Sie im Laufe Ihrer Arbeit und Ihres feministischen Engagements eine Veränderung innerhalb der (männlichen) Gesellschaft verzeichnen können? HV:
Ja. Immer mehr Männer BlesZ: Feminismus tritt in unterschiedlicher Art und Weise zu Tage, welche Art feministisch zu leben stößt bei Ihnen nicht auf Gegenliebe? HV:
Feminismus wendet sich per Definition gegen das Patriarchat. Daran kann
nie was falsch sein, egal wie eine Person das für sich umsetzt. BlesZ: Kann es Ihrer Meinung nach auch feministische Männer geben? HV:
Ich bin mit einem verheiratet (grinst; Anm. der Red.). Ich könnte mit
keinem anderen verheiratet sein. BlesZ: Was wird Ihr nächstes Projekt/Buch sein? HV:
Ich habe gerade die deutsche Version einer Web-Seite über das
Matriarchat abgeschlossen (fast). Als nächstes folgt die englische. BlesZ: Werden wir Ihre gemalten Werke zu Gesicht bekommen? Zum Beispiel auf Ihrer Homepage zum kostenlosen Download? HV:
Ich habe die Tendenz, meine persönlichen Entwicklungsschritte im
Internet weiterzugeben. Als ich ein Buch schrieb, wollte ich es in Frauensprache
schreiben, konnte aber die Regeln nicht. Also hab ich eine Web-Seite darüber
gemacht, dabei hab' ich neutral zu formulieren gelernt und die Internet-Gemeinde
hat auch was davon. BlesZ: Sie leben zur Zeit in den U.S.A., sehen Sie in der feministischen Szene dort Unterschiede im Vergleich zur deutschen Szene? H V:
Ja. Die feministisch engagierten Frauen haben Einfluss und Geld. Die können
wirklich was bewegen, sie sind organisiert. Es ist beeindruckend, wie großzügig
die AmerikanerInnen Geld spenden. Und so ziemlich alle Leute arbeiten irgendwo
ehrenamtlich mit. BlesZ: Wir danken Ihnen ganz herzlich für das Gespräch und wünschen Ihnen weiter viel Erfolg bei Ihrer Arbeit. Das Gespräch führte Bernie. Buchtip:
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